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Urban Gardening in der Rue Paul Bert in Bordeaux

Wenn wir zwischen Deutschland und Portugal pendeln, verläuft unsere Reiseroute durch Frankreich und Spanien, wo wir in der Regel ein bis zwei Zwischenstopps einlegen, nicht nur für eine Mittagspause.

Wir möchten auch die Länder und Orte, die wir bei unserer Reise durchqueren, kennenlernen und interessante Menschen und Projekte entdecken und vorstellen.

In Bordeaux sind wir rein zufällig, nach einer kleinen Mittagspause, auf die Rue Paul Bert gestoßen.

Die hier errichteten Hochbeete haben unsere Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Hier wachsen mitten in der Stadt u. a. Tomaten, Paprika, Erdbeeren und Zucchini.

Die Hochbeete wurden vom Paul Bert Netzwerk (Réseau Paul Bert) errichtet. Das Netzwerk ist eine Art Gemeinschaftszentrum, das allen Bewohnern offen steht. Hier finden nicht nur diverse Veranstaltungen wie Konzerte, Ausstellungen und Workshops statt. In den neun Häusern befinden sich neben dem Büro des Vereins u. a. ein Friseur, ein Waschsalon und ein Café. Außerdem stehen Duschen für Menschen bereit, die sich gerade in einer besonders schwierigen Situation befinden.

Wir sind begeistert vom Konzept des „Urban Gardenings“ und denken, dass solche Projekte in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen werden. Auch auf unserem heimischen Balkon haben wir versucht überwiegend Nutzpflanzen anzupflanzen (siehe hierzu Leben auf dem Balkon).

Was ist „Urban Gardening“

Durch „Urban Gardening“ werden städtische Flächen gärtnerisch genutzt.

Das Konzept von „Urban Gardening“ ist nicht neu. Noch bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden in Städten wie Paris schnell verderbliche Lebensmittel wie Obst und Gemüse angebaut. In den Stadtgärten im heutigen 3. und 4. Arrondissement von Paris gab es fast 8.500 selbstständige Gärtner, die auf ca. 1.400 Hektar Obst und Gemüse mit einem jährlichen Ertrag von ca. 100.000 Tonnen anbauten.

Diese städtischen Gärten bringen viele Vorteile mit sich*:

  • Die Bewohner können sich mit lokal hergestellten Nahrungsmitteln versorgen.
  • Durch den lokalen Anbau und dem ortsnahen Konsum werden die Transportwege verringert. Dadurch kann CO2 eingespart werden.
  • Auf diese Weise können umweltverträgliche und sozial gerechte Lebensmittel produziert werden.
  • Es können so alte, lokale Sorten gefördert werden.
  • Das Mikroklima der Städte wird durch „Urban Gardening“ verbessert.
  • Durch „Urban Gardening“ kann die städtische Bevölkerung einen Beitrag zur Artenvielfalt leisten.
  • Es entstehen Begegnungsstätten und Gemeinschaften, die sich für den eigenen Stadtteil engagieren.
  • Die Bevölkerung kann durch städtische Gärten für einen nachhaltigen Lebensstil sensibilisiert werden.

In anderen französischen Städten haben wir ähnliche Projekte entdeckt. Beispielsweise in Orléans.

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Die Bevölkerung zu sensibilisieren ist sehr wichtig. Denn neben diesen schönen Initiativen haben wir in Bordeaux auch ein anderes Stadtbild gesehen. Überquellende Mülltonnen…

…und die Menschen sitzen gemütlich daneben und scheinen diesen Teil der Wirklichkeit auszublenden.

 

*Quellen: https://de.wikipedia.org/wiki/Urbaner_Gartenbau
Fotocredit: Patrick Schürfeld (ps-ixel.com)

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