Leben auf dem Balkon
Varia

Leben auf dem Balkon

Insekten schützen, entdecken, beobachten - wie das geht, verraten wir Dir im Blogpost.

Die Geranie – ein Symbol für Uniformiertheit und Spießbürgertum

Wir haben uns schon immer gefragt, warum ein Großteil der Menschen Geranien auf dem Balkon anpflanzt. Geranien symbolisieren für uns eine Art Uniformiertheit und sind unserer Meinung nach ein Sinnbild für Spießbürgertum. Geranien sind anspruchslose und widerstandsfähige Pflanzen – die ideale Pflanze für all die, die sich eigentlich nicht für Pflanzen interessieren. Bestimmte Duftgeranien treiben Insekten zudem auch noch in die Flucht. Außerdem sind sie für kleine Nager wie Hamster, Meerschweinchen und Kaninchen giftig bzw. tödlich.

Leben auf dem Balkon

Alle die, die sich hingegen für „Leben auf dem Balkon“ interessieren und die großen und kleinen Wunder, die die Natur uns bietet, miterleben möchten, raten wir dazu, beispielsweise Saatgut für Bienen- und Schmetterlingsgärten auszusäen.

Im Frühling konnten wir beobachten, wie diese Pflanzen in den Töpfen auf unserem Balkon in die Höhe schossen. Unsere Tochter Jade identifizierte unter anderem Dill. Ich erfreute mich an den blauen Kornblumen und an den schönen lila- und rosafarbenen Blüten der Borretsch, die auch als Deko im Salat oder auf dem Kuchen eine gute Figur machen.

Nach kurzer Recherche konnten wir auch die anderen, zunächst uns unbekannten Pflanzen, zuordnen. Es handelte sich um Buchweizen, Buschelschön, Wilde Möhre und Weiden-Alant.

Buchweizen, Buschelschön und Borretsch erreichten Höhen zwischen 70 und 120 cm. Mit ihren weißen, lila- und rosafarbenen Blüten lockten sie die unterschiedlichsten Insekten an. Wir konnten feststellen, dass das Buschelschön und die Kornblumen besonders beliebt bei den Erd- und Steinhummeln und den Wildbienen sind.

Gelegentlich waren die Hummeln und Wildbienen so freundlich und haben unsere bereits blühenden Erdbeer-, Tomaten- und Paprikapflanzen bestäubt.

Die Blätter des Weiden-Alants waren offenbar für die Raupen der Gammaeule schmackhaft. Während ihre Blüten von Juni bis Oktober Bienen und Hummeln mit Nektar versorgen.

Als die Kapuzinerkresse uns mit einer roten Blüte beschenkte, war ich sehr erfreut und schlich täglich um die Pflanze herum, in der Hoffnung, es würden noch weitere rote Blüten aufblühen.

Es blieb jedoch leider ein singuläres Ereignis, dafür haben wir aber eine andere wunderschöne Beobachtung machen können. Auf der Kapuzinerkresse entdeckten wir einen Kohlweißling. Er war gerade dabei, seine Eier dort abzulegen. Patrick schnappte sich sofort die Kamera und machte diese wunderbaren Aufnahmen.

Vermutlich hätte manch einer die Eier entfernt, um die Kapuziner vor den gefräßigen Raupen, die aus den Eiern schlüpfen, zu schützen. Wir aber haben entschieden, die Kapuzinerkresse den Raupen zu überlassen und ihre Entwicklung zu beobachten.

Auch die Wespen hatten Interesse an den Raupen, jedoch eher als Nahrung. Da wir die Raupen bei ihrer Verwandlung in Schmetterlinge beobachten wollten, haben wir beschlossen, die Raupen ein wenig vor den gefräßigen Wespen zu beschützen und die exponierten Blätter mit den Raupen so mit Büroklammern zusammenzustecken, dass es den Wespen deutlich schwerer fällt, an sie ranzukommen.

Bei dieser Gelegenheit konnten wir beobachten, dass die Raupen über spezielle Verteidigungstricks verfügen. Wenn sie angegriffen werden, lassen sie sich fallen. Würde die Raupe sich jedoch einfach zu Boden fallen lassen, wäre dies sicherlich fatal, da eine 1,5 mm große Raupe es wohl kaum schaffen würde, jemals wieder zurück auf das Blatt der Kresse zu klettern. Deshalb sind die Raupen schlauerweise angeseilt, d. h. sie haben einen kleinen, seidenen Faden, der am Blatt befestigt ist und mit dem sie sich, wenn die Gefahr vorüber ist, wieder hochziehen können.

Im Bioladen hatten wir für die Raupen einen Kohlkopf besorgt und sie von der Kapuzinerkresse auf den Kohl umgesiedelt, da ich doch gerne ein Teil meiner Kapuzinerpflanze behalten wollte.

Wir konnten die kleine Raupen dabei beobachten, wie sie immer größer wurden, sich schließlich verpuppten und später als Schmetterlinge aus der Puppe schlüpften.

Die erste Generation haben wir im August, an einem schönen Sommertag fliegen lassen.

Einige Tage später wurden auf der geliebten Kapuzienerkresse wieder Eier des Kohlweißlings von uns gesichtet. Diesmal waren wir ja schon vorbereitet und haben die Eier gleich vor den Wespen geschützt, so dass wir wesentlich mehr Raupen aufziehen konnten, u. a. waren diesmal auch zwei Raupen des Kleinen Kohlweißlings dabei. Während die Raupen des Großen Kohlweißlings auf der grünlichen Grundfärbung unterschiedlich große schwarze Flecken aufweisen, sind die Raupen des Kleinen Kohlweißlings komplett grün.

Ein Teil dieser Raupen ist bereits geschlüpft. Die Schmetterlinge haben wir vor einigen Tagen in die Freiheit entlassen. Momentan befinden sich noch ca. 1/3 der Raupen im verpupptem Stadion. Wir gehen davon aus, dass einige der Raupen überwintern werden und wir sie im kommenden Frühling als Schmetterlinge freilassen können. Dabei ist natürlich zu beachten, dass man die Puppen im Winter nicht in der warmen Wohnung hält, da sie sonst höchstwahrscheinlich im Winter schlüpfen werden und natürlich so nicht freigelassen werden können.

Wenn die Schmetterlinge frisch geschlüpft sind, sind sie noch nicht sehr agil. Sie brauchen noch einige Zeit, um sich auf das Fliegen vorzubereiten. Hierbei ist es möglich, sie vorsichtig auf die Finger krabbeln zu lassen. Dabei kann man sie genauer aus der Nähe betrachten.

Für uns Drei war es ein wunderbares und spannendes Erlebnis, Schmetterlinge bei ihrer Geburt zu beobachten.

Wie aus einem Ei eine kleine Raupe entsteht, die sich langsam an Kapuziener- und Kohlblättern satt frisst und schließlich verpuppt bis hin zu den schlüpfenden Schmetterlingen, die wieder neue Eier ablegen.

Die Schmetterlinge flattern normalerweise flüchtig und rasant an einem vorbei. Man bekommt selten die Chance, sie sich genauer anzuschauen. Dank der insektenfreundlichen Pflanzen auf unserem Balkon und dem Lebensraum, den wir diesen Insekten geboten haben, wurden wir mit einem tollen Naturschauspiel belohnt.

Patrick hat in dieser Zeit seine Fähigkeit, die kleinen fliegenden Objekte mit der Kamera einzufangen, verfeinern können.

Wenn man den Insekten die Möglichkeit geben möchte, auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten zu wohnen und ggf. zu überwintern, sollte man nicht jedes welke Blatt gleich abzupfen und entsorgen. Das käme nämlich einem Abrissunternehmen gleich, dem es völlig egal ist, ob die Häuser, die es abreißt noch bewohnt sind. Wir konnten beobachten, wie sich in einem verwelkten Kapuzinerblatt die Raupe einer Gammaeule eingesponnen und verpuppt und sich schließlich der fertige Schmetterling (Nachtfalter) entwickelt hat.

Dank der zahlreichen Insekten haben unsere Tomaten-, Paprika- und Erdbeerpflanzen uns ein paar Früchte geschenkt.

Anmerkung:

I. Da das Budget für das recht teure Makroobjektiv zur Zeit leider nicht zur Verfügung steht, ist in die Bilder sehr stark hineingezoomt. Das funktioniert bei den hier gezeigten Bildern in der Auflösung 1440 x 960 px noch recht gut, da die Sony Alpha 7, die wir benutzen einen hochauflösenden Chip mit 24 Megapixeln hat.
II. Bei unserer botanischen und biologischen Zuordnung und dem Verhalten der Insekten basiert der Artikel auf unseren Beobachtungen. Sollte jemand den Artikel lesen, der sich noch intensiver mit dem Thema beschäftigt hat oder über mehr Erfahrung verfügt, freuen wir uns über genauere Informationen.
III. Wir haben so viel Spaß am Entdecken dieser kleinen Lebewesen, dass wir ihnen zum einen noch mehr Lebensraum bieten möchten und zum anderen von Zeit zu Zeit immer mal einige unserer Entdeckungen in Form von Blogpost hier auf 11iE festhalten werden.
IV. Wir freuen uns natürlich, wenn sich der Nachhaltigkeitsgedanke im Netz verbreitet, und unsere Texte und Bilder bei Euch auf Interesse stoßen. Deshalb lizenzieren wir unser Bild- und Textmaterial, so dass sie von Euch anderweitig genutzt werden können. Eure Anfrage könnt Ihr gerne an elfie[at]11ie.de richten. Wir bitten Euch jedoch, unsere Urheberrechte zu respektieren und die Verwendung unseres Materials mit uns abzusprechen.

Fotos: ps-ixel / Patrick Schürfeld

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