Es wird Herbst in Portugal

Auch hier in Portugal wird es langsam Herbst. Die Nächte sind bereits deutlich kühler und die Tagestemperatur sinkt auf durchschnittliche 18 °C bis 25 °C. Doch nicht nur an den Temperaturen merken wir, dass es langsam auf den Herbst zugeht. Auch die Flora und Fauna stellt sich auf den Jahreszeitenwechsel ein.

Es gibt wieder Esskastanien

Zu meiner Freude reifen die Esskastanien heran. Regelmäßig gibt es bei uns jetzt abends geröstete Maronen.

Esskastanien

Portugal

Die Erdbeerbäume bilden Früchte aus

Auch die Früchte unserer Erdbeerbäume (Medronheiro, lat.: Arbutus unedo) verwandeln ihre Farbe nach und nach von gelb und orange in ein sattes Rot. Die roten Früchte werden hier zu Marmelade oder Schnaps (portugiesischer Obstschnaps: Medronho) verarbeitet. Die Frucht kann aber auch roh verzehrt werden. Sie schmecken süßlich, etwas mehlig.

Medronheiro

Die Gallwespen legen ihre Eier in der Eiche ab

An den Eichen sieht man jetzt vermehrt Galläpfel. Diese sind mir in Deutschland gar nicht aufgefallen. Es handelt sich um kugelförmige Wucherungen.

Galläpfel

Die Gallwespe legt ihre Eier in der Eiche ab. Die Larve sondert ein Sekret ab, dass die Eiche dazu bringt, diese kugelförmigen Wucherungen auszubilden. Hier wächst die Larve der Gallwespe über den Winter heran.
Die Galläpfel enthalten Gerbsäure. Diese wurde früher zum Gerben von Leder und zum Herstellen von schwarzer Tinte genutzt.

Die Badestelle am Fluss ist menschenleer

Es ist ruhiger geworden. Die Urlauber sind fort. Die kleine Badestelle am Fluss, nicht weit von unserem Grundstück entfernt, ist zu dieser Jahreszeit menschenleer.

Unsere BAdestelle

An so manchen heißen und trockenen Sommertagen, hat sich insbesondere Jade nach einem abkühlenden Bad im Fluss gesehnt. Doch wegen der COVID-Pandemie haben wir vorsichtshalber die im Sommer so beliebte und gut frequentierte Badestelle komplett gemieden.

Die COVID-Pandemie beherrscht die Nachrichten

Leider gehört die COVID-Pandemie auch zum Herbst 2020 dazu. Denn egal an welchem Ort, in welche Land wir leben, die Pandemie beherrscht die Nachrichtenlage und unser Leben.

Die täglich, neuen Horrormeldungen in der Presse von einer zweiten Welle, Sperrstunden, Reisewarnungen, Teillockdowns und steigenden Zahlen schüren wieder Angst und Panik. Wir fragen uns, ob die Berichterstattung objektiv ist und haben die Befürchtung, dass es nicht nur um Informationsvermittlung geht, sondern auch um Schlagzeilen und Reichweite. Die Meldungen schlagen uns aufs Gemüt.

Parallel spüren wir am eignen Leib, wie sich die Auftragslage, wie es schon im März und April der Fall war, verschlechtert. Es scheint so, dass auch unsere Kunden Panik bekommen und Investitionen zurückhalten. Gefühlt hat der wochenlange Lockdown nichts gebracht, weil es sich im Grunde um eine Einschränkung gehandelt hat aber nicht um einen totalen Lockdown, der unserer Meinung nach nötig gewesen wäre, um das Virus komplett zu eliminieren. Wir fragen uns, ob ein vollständiges Runterfahren der Wirtschaft für sechs Wochen nicht erfolgreicher gewesen wäre, statt Monate und vielleicht Jahre mit diversen Einschränkungen leben zu müssen? Viele Selbstständige, die es irgendwie geschafft haben, sich einige Monate im Lockdown finanziell über Wasser zu halten, stehen doch spätestens jetzt vor dem Ruin. Ein paar Wochen können bestimmt viele durchhalten aber nur wenige haben Reserven für Monate und Jahre!

Für uns hat sich nicht viel verändert. Unsere Ausgaben beschränken sich auf das Minimum. Schon seit Anfang Februar, noch bevor das Diktat von oben kam, praktizieren wir Social Distancing. Wir treffen uns weder mit Freunden noch mit der Familie, besuchen keine Cafés oder Restaurants und machen keine Urlaubsreisen oder Ausflüge. Wenn wir das Haus verlassen, dann nur, um uns mit Nahrungsmitteln einzudecken. Es ist hart aber wir wollen das Risiko einer Ansteckung so gering wie möglich halten. Doch wie viele andere auch sehnen wir die Zeit nach COVID herbei.

Trotzdem versuchen wir aus der momentanen Situation das Beste zu machen und motivieren uns, unsere Kraft für Dinge einzusetzen, die wir in dieser Situation umsetzen können.

Obst und Gemüse aus Nachbars Garten

Regelmäßig versorgen uns unsere lieben Nachbarn mit Obst und Gemüse aus ihrem Garten. Das freut uns natürlich sehr, da wir erst im kommenden Jahre einen eigenen Gemüsegarten anlegen werden.

Es gibt sogar noch frische Erdbeeren. Und das im Oktober!

Erdbeeren im Herbst

Müllberg und Pfirsichbaum

Unter einer Weinrebe entdecken wir einen kleinen Pfirsichbaum. Damit er sich besser entfalten kann, beschließen wir, den kleinen Erdhügel, der sich um ihn gebildet hat, etwas abzutragen und ihn mit neuer Erde zu versorgen. Beim Abtragen der Erde stoßen wir auf einen riesigen Müllberg.

Müll

Früher war es üblich, den Müll einfach im Garten zu vergraben. In Zeiten vor Kunststoff stellte diese Methode der Müllentsorgung auch kein großes Problem dar, denn Papier und Holz können einfach in der Erde verrotten. Doch der Abfall, auf dem wir beim Umgraben stoßen, besteht hauptsächlich aus Kunststoffverpackungen und Plastiktüten, die sich zum Teil auch schon in kleinere Plastikteilchen zersetzt haben. Mikroplastik wird von den Pflanzen über das Wasser durch die Wurzeln aufgenommen und gelangt auf diesem Wege in den Nährstoffkreislauf und letztendlich auch in unseren Organismus. Einzelne Bestandteile des Kunststoffs wie Weichmacher oder Bisphenol A sind gesundheitsschädlich. Daher versuchen wir den Plastikmüll, auch die kleinen Teile, so gut es geht vom Grundstück zu entfernen.

Wir bauen unsere erste Trockenmauer

Um uns ein wenig in dem Bau einer Trockenmauer zu üben, beschließen wir, um den kleinen Pfirsichbaum eine Mauer mit Sitzgelegenheit zu bauen.

Trockenmauer

Das Wissen um den Bau solcher Mauern scheint fast verloren gegangen zu sein. Wir orientieren uns bei dem Bau an den alten Ruinen, die auf unserem Grundstück stehen. Beim Rest folgt Patrick einfach seiner Intuition. Später erfahren wir durch Recherche im Internet, dass der Bau von Trockenmauern in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurde.

Während ich die Steine von der Ruine auf die untere Terrasse trage, schafft es Patrick mit viel Geduld und Geschick die Steine zu einer hübschen, kleinen, runden Trockenmauer anzuordnen.

Trockenmauer

Trockenmauer

Nach vier Tagen Arbeit (zwei Wochenenden) können wir uns an der kleinen, runden Trockenmauer aus Natursteinen erfreuen.

Trockenmauer

Wir genießen das Leben in und mit der Natur. Auch, wenn wir hier aktuell unter sehr einfachen Verhältnissen leben (kein warmes Wasser, keine richtige Dusche, kein Backofen, kein Kühlschrank und keine Waschmaschine), sind wir froh, dass wir diesen Weg eingeschlagen haben.

Herbstabend

Fotocredit: Patrick Schürfeld (ps-ixel.com)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.