Aufbruch nach Portugal

Aufbruch nach Portugal

Vorbereitung und Anreise

Die Vorbereitung auf die Abreise

Anfang August stecken wir Mitten in den Vorbereitungen, denn bereits in 14-Tagen möchten wir nach Portugal aufbrechen. Tag und Nacht sind wir damit beschäftigt, die nötigen Vorkehrungen für unsere Reise zu treffen. Doch bevor es endlich losgehen kann, funktionieren wir den Unimog noch zu einem Wohn- und Umzugswagen um. Neben Umzugskisten müssen noch eine kleine Solaranlage, zwei Infrarotheizungen und unsere Trockentrenntoilette sowie eine Bettkonstruktion Platz im Unimog finden.

Aufbruch nach Portugal

Um Raum zu schaffen, ist es daher notwendig, alles wieder auszuräumen und noch einmal gründlich auszusortieren. Einige Umzugskartons, das Sofa, den Esstisch, die Waschmaschine und unsere Fahrräder lassen wir bei unseren Freunden in Mecklenburg zurück.

Reisen in Zeiten der Pandemie

Sichtlich nervös beobachten wir unterdessen die Entwicklung der Infektionszahlen. In Spanien steigen die Zahlen, der mit COVID-19 Infizierten, wieder rasant an. Aufgrund der Infektionszahlen spricht das Auswärtige Amt für einige Länder und Regionen erneut die COVID-19-Reisewarnung aus. Daher planen wir die genaue Route nicht im Vorfeld, sondern legen sie erst kurzfristig, abgestimmt auf die aktuelle Situation, fest.

Die bevorstehende Reise unterscheidet sich deutlich von unseren vorherigen. Pandemiebedingt verzichten wir auf die geliebten Cafébesuche in Lyon, Bordeaux, San Sebastian und Salamanca. Keine Eclairs, keine frischen Baguettes, keine leckeren Flat Whites. Diesmal werden wir nur kurz zum Schlafen auf den Autobahnrastplätzen Halt machen und so gut es geht auf den Kontakt mit anderen Menschen verzichten. Unsere Reise ist keine Urlaubsreise, wir werden nicht in zwei bis drei Wochen wieder zurückkehren, sondern in der neuen Heimat bleiben.

Da ich seit meiner Führerscheinprüfung so gut wie gar nicht mehr Auto gefahren bin, sah unser ursprünglicher Plan vor, die Reise nur mit dem Unimog anzutreten und unseren kleinen Opel, der uns nach La Gomera und nach Portugal gebracht hat, zu verkaufen. Vor Ort hätten wir uns dann wohl zusätzlich wieder ein kleineres Auto gekauft. Denn für den Einkauf von Lebensmitteln oder für die Fahrt in die Stadt ist der Unimog etwas sperrig. Dafür ist er aber hervorragend geeignet, um Baumaterial, Bäume und Setzlinge für unser Aufforstungsprojekt zu transportieren. So entscheiden wir uns dann doch, mit beiden Autos zu fahren. Also nehme ich all meinen Mut zusammen und taste mich mit Hilfe von Patrick in der Abgeschiedenheit von Mecklenburg, zunächst auf gepflasterten Straßen, die Mitten durch einen wunderschönen Wald führen, langsam wieder an das Autofahren heran. Täglich sind wir mit Patrick und Jade in Mecklenburg und Umgebung unterwegs. Ich übe das Fahren im Kreisverkehr und nach und nach traue ich es mir auch zu, durch größere Ortschaften zu fahren.

Während meiner Fahrübungen gewinne ich nicht nur an Fahrroutine, wir bekommen so auch die Möglichkeit, die wunderschöne Landschaft Mecklenburgs und Brandenburgs kennen zu lernen.

Wir entdecken immer wieder allerlei interessante Insekten. Wie beispielsweise den Moschusbock (Aromia moschata). Der Name des Käfers ist auf den nach Moschus riechenden Sekret, welches das Tier absondert, zurückzuführen. Man hat diesen früher tatsächlich zum Parfumieren von Pfeifentabak eingesetzt.*

Neben den täglichen Fahrstunden arbeiten wir die aktuellen Aufträge ab und bereiten parallel weiter alles für die Abreise vor. Dies stellt unter den beengten Verhältnissen im Wohnwagen eine besondere Herausforderung für uns dar. Täglich muss das Bett zu einem Tisch umgebaut und der Arbeitsplatz neu eingerichtet werden. Die Situation im Wohnwagen in Mecklenburg nutzen wir aber gleichzeitig als Übung, um uns auf Portugal einzustellen, denn auch in Portugal werden wir in der Anfangsphase provisorisch auf engem Raum ohne Kanalisation und Wasseranschluss leben. So stellen wir fest, dass es auch schön sein kann, mit kaltem Wasser aus der Gießkanne zu duschen und dass es durchaus möglich ist, die Wäsche in einer Waschschüssel sauber zu bekommen. Jade ist sogar der Meinung, dass die in der Waschschüssel gewaschene Wäsche sauberer riecht, als die Wäsche, die aus der Waschmaschine kommt. Wir gewöhnen und daran, dass wir zum Kochen und Waschen erst unsere Wassertanks auffüllen müssen und stellen fest, dass eine Spülmaschine und eine Waschmaschine Geräte sind, auf die man tatsächlich verzichten kann. Auch die Trockentrenntoilette möchten wir nicht mehr gegen eine Spültoilette eintauschen.

Essenziell für uns sind Wasser, Strom und eine gute Internetverbindung.

Die letzten Tage in Deutschland

Die letzten Tage verbringen wir damit, die Bettkonstruktion zu bauen.

Aufbruch nach Portugal

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Aufbruch nach Portugal

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Außerdem erstellen wir eine Einkaufsliste und einen Essensplan für die Reise. Für die ersten beiden Tage kochen wir Gerichte vor. Die vorbereiteten Speisen bringen wir in einer thermoelektrischen Kühlbox unter, welche wir vor Ort in der Anfangszeit auch als Kühlschrankersatz nutzen werden. Zusätzlich decken wir uns mit ausreichend Müsli, Müsliriegeln, Hafermilch, Pumpernickel, veganem Brotaufstrich, Keksen und Wasser ein. Die Nahrungsmittel inkl. Kühlbox, Edelstahlwasserkannen werden im Opel untergebracht. Dabei kalkulieren wir alles so, dass wir Wasser und Lebensmittel ausreichend auch für die Anfangszeit in Portugal vorrätig haben.

Aufbruch nach Portugal

Die Reise treten wir mit gemischten Gefühlen an. Zum einen freuen wir uns auf Portugal und darauf, endlich auf unserem Grundstück sein zu können, zum anderen wissen wir aber, dass die Reise dorthin wegen COVID stressig und anstrengend sein wird. Grauenvoll wäre es für uns, in der momentanen Situation, irgendwo auf der Strecke wegen einer Panne liegenzubleiben. Daher treffen wir diesbezüglich im Vorfeld alle Vorkehrungen, die wir treffen können. Für den Opel besorgen wir einen Ersatzreifen und lassen ihn vor der Abreise noch einmal gründlich durchchecken.

Endlich geht es los

Am 17. August ist es dann endlich soweit. Wir brechen auf.

Aufbruch nach Portugal

Patrick fährt mit dem Unimog voran. Ich fahre mit Jade im Opel hinterher. Die Kommunikation zwischen Patrick und uns findet über Walkie Talkies statt, die wir uns zuvor für diesen Zweck angeschafft haben. Auch der Unimog soll vor der Reise noch einmal gründlich überprüft werden. Der Autovertrieb / Werkstatt, bei dem wir damals den Unimog gekauft hatten, liegt glücklicherweise auf der Reiseroute und nicht weit von der französischen Grenze entfernt. So geht es für uns mit 70 Kilometer pro Stunde zunächst Richtung Gaggenau. Wir fahren vorsichtig und legen alle gefahrenen 100 Kilometer eine Pause ein, um den Zustand der Fahrzeuge zu überprüfen. Insbesondere bei dem Unimog achten wir darauf, dass sich die Vorgelegelager nicht zu sehr erhitzen und kein Öl austritt.

Es ist heiß und zum Teil geht es auf Grund von mehreren Baustellen auf der Autobahn nur in Schrittgeschwindigkeit voran. Mit dem Fahren habe ich keine Probleme. Alles klappt richtig gut und mit jedem Kilometer kommt mehr Routine hinzu. Bis Gaggenau schaffen wir es an diesem Tag leider nicht mehr. Kurz vor Hof werden wir müde und beschließen, auf einem Rastplatz zu übernachten. Ich kann nur schwer einschlafen. Das liegt nicht an dem Bett. Das Bett ist sehr gemütlich, sondern eher daran, dass ich fürchte, irgendjemand könnte uns auf dem Parkplatz überfallen und ausrauben. Nach einer kurzen Nacht machen wir uns am nächsten Morgen wieder auf den Weg und erreichen am späten Nachmittag Gaggenau. Hier übernachten wir vor der Werkstatt im Unimog. Diesmal schlafe ich deutlich besser. Um 8 Uhr geht es dann mit der Inspektion los. Ich rechne mit ein bis zwei Stunden und hoffe, dass wir noch am selben Tag bis nach Besauçon kommen, idealerweise sogar die Gegend um Brive-la-Gaillarde erreichen. Leider dauert es dann doch länger als vermutet und wir können erst am Nachmittag Richtung Frankreich aufbrechen.

Die beiden Fahrzeuge sind zwar durchgecheckt aber irgendwie hat sich die Anspannung bei Patrick und mir trotzdem nicht gelegt. Eine 100%ige Garantie dafür, dass nichts passiert gibt es eben nicht. Dementsprechend fahren wir vorsichtig und für jeden Kilometer, den wir ohne Probleme hinter uns lassen, bin ich dankbar. Am Abend erreichen wir endlich Frankreich. Hier übernachten wir in der Nähe von Aspach-le-Bas, unweit der Grenze. Noch sind wir uns nicht ganz schlüssig darüber, ob wir für die Weiterfahrt durch Frankreich eine mautfrei Route oder eine über die kostenpflichtige Autobahn einschlagen wollen. Angeblich sind die Abschleppkosten, sollte man auf der kostenpflichtigen Autobahn liegen bleiben, sehr hoch, so erzählte uns zumindest der Werkstattmeister in Gaggenau. Doch mautfrei mit einem LKW durch Frankreich zu kommen ist auch nicht ganz so einfach. Überall treffen wir auf Schilder, die auf ein Durchfahrverbot für LKWs hinweisen. Bevor wir lange hin und her irren und auf jede Beschilderung achten müssen, entschließen wir uns dazu, das Risiko einzugehen und über die kostenpflichtige Autobahn zu fahren.

Die ganze Fahrt kommt mir vor wie ein Film. Als ob ich alles schon einmal erlebt hätte und die Situation rückwirkend beobachte. Ich bin mir irgendwie sicher, dass wir es gesund und ohne Probleme bis nach Portugal schaffen und trotzdem bleibe ich angespannt. Ich will einfach nur noch fahren, fahren und fahren, um so schnell wie möglich das Ziel zu erreichen. Eigentlich wollen wir an diesem Tag bis nach Spanien kommen, doch das klappt nicht. Die Müdigkeit siegt und wir übernachten wieder auf einem Parkplatz irgendwo in der Umgebung von Peumot.

Inzwischen haben wir den 21. August. An diesem Tag möchten wir, wenn möglich, bis hinter die portugiesische Grenze kommen. Fast droht dieses Vorhaben zu scheitern, weil wir müde sind und weil uns der Stress bezüglich COVID zusätzlich noch Kraft raubt. Aber unser Wille ist stärker. Es ist bereits fast Mitternacht, kurz vor der Grenze machen wir noch eine kleine Pause, bereiten uns unseren geliebten Kaffee von Q-Kaffee zu und aktivieren die letzten Reserven, die wir haben. Kurz nach Mitternacht überqueren wir tatsächlich die Spanisch-Portugiesische Grenze. Müde und ausgelaugt halten wir schließlich in einem kleinen portugiesischen Dorf am Straßenrand, wo wir glücklich und erleichtert ein paar Stunden schlafen, bevor wir die restlichen 230 Kilometer bis zu unserem Grundstück antreten.

Aufbruch nach Portugal

Es ist geschafft – wir sind endlich in Portugal

Wir haben es tatsächlich geschafft ohne Pannen, ohne Unfälle, ohne Probleme und ohne Kontakt zu anderen Menschen in Portugal anzukommen. In fünf Tagen haben wir Deutschland, Frankreich, Spanien und halb Portugal durchquert. Es liegen 2.895 Kilometer hinter uns und ganz viele neue und spannende Abenteuer vor uns.

Fotocredit: ps-ixel (Patrick Schürfeld)

*Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Moschusbock

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